Journal Phänomenologie
Journal Phänomenologie / Texte / Editorial Heft 47/2017
 
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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Im Jahre 2015 wäre Roland Barthes, der 1980 in Folge eines Verkehrsunfalls verstorben ist, 100 Jahre alt geworden. Naturgemäß hat es daher in Frankreich zahlreiche Würdigungen des Zeichentheoretikers und Kulturphilosophen gegeben. Zu ihnen zählen die Edition Gesammelter Schriften, zudem zahlreiche Bücher über Barthes' Werk, eine Biographie und eine Ausstellung im Centre Pompidou. Aus Sicht einer Phänomenologie, einer phänomenologischen Hermeneutik und deren Umfeld erscheint Barthes als ein sperriger Autor. Es hat Phasen in seiner Werkentwicklung gegeben, in denen Roland Barthes Begriff und Sache des Subjekts sehr gering und die Macht des Textes entsprechend hoch veranschlagt hat. Die entsprechenden Botschaften im Hinblick auf die Entstehung von Sinn und Bedeutung waren daher sehr interpretationsbedürftig. Diese Tendenz findet in „Die Lust am Text“ (1973) einen deutlichen Ausdruck. Bis zu seinem Tode ändert Barthes seine Sicht allerdings. Langsam, aber merklich gewinnen Momente von Subjektivität an Bedeutung. Im „Tagebuch der Trauer“ (1979) und in „Die helle Kammer“ (1980) sind sie deutlich zu erkennen. In seinen Vorlesungen „Vorbereitung des Romans“ (1980) spricht Barthes dann sogar ausdrücklich von einem Noema einer Phänomenologie des Erkennens. Diese Ausführungen, die sich gewiss auch nicht von selbst verstehen, zeigen, dass das Verhältnis von Barthes zur Phänomenologie keineswegs als eindimensional bezeichnet werden kann. Die Autoren des Schwerpunktes des vorliegenden Journals verfolgen im Nachgang zu Roland Barthes’ 100. Geburtstag Motive aus dessen Werk. Mythos, Kultur, Macht, Bild, Liebe, Ethik und Literatur stehen dabei im Mittelpunkt.

Wie immer bieten wir der geneigten Leserschaft zudem unsere Sicht auf lohnenswerte neue Literatur.

Das größtmögliche Vergnügen beim Genuss dieser Texte wünscht

Die Redaktion!

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down ISSN 1027-5657 JPh Logo
13.09.2017
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